Übersicht Forschungsprojekte
Wir haben hier Informationen zu über 80 vorwiegend deutschsprachigen Forschungsprojekten und Dissertationen aus den Themenbereichen Adoption und Vollzeitpflege seit 2005 chronologisch zusammengestellt:
- Um was geht es?
- Wer hat daran gearbeitet?
- Wer war Projektträger?
- Wo findet man die Ergebnisse?
iWS-Pflegeelternmonitor® (2026-2028)
Der iWS-Pflegeelternmonitor® ist ein vom Institut für wirkungsvolle Sozialarbeit (iWS) verantwortetes Forschungsvorhaben, welches in Kooperation mit dem PFAD Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V. umgesetzt wird.
Ausgangslage: Ohne Pflegeeltern gibt es keine Pflegekinder. Gerade in aktuellen Zeiten jährlich steigender Kindeswohlgefährdungen braucht es starke Pflegeeltern, um den Kindern gute Entwicklungschancen in einer Familie zu ermöglichen. Inwieweit Pflegeeltern dazu in der Lage sind, hängt auch von der Zusammenarbeit mit und der Unterstützung durch das Jugendamt, freie Träger und Vormund ab.
Zielstellung: Der iWS-Pflegeelternmonitor® soll Aufschluss darüber geben, wie und wodurch Pflegeeltern in der Wahrnehmung ihrer Verantwortung für das Wohlergehen und die Entwicklung des Pflegekindes gestärkt oder geschwächt werden. Der Fokus liegt auf Schnittstellen in der Zusammenarbeit mit Systempartnern wie Jugendamt, freie Träger und Vormund.
Umsetzung: Im ersten Schritt werden deutschlandweit Interviews mit Pflegeeltern, Pflegekindern, Fachkräften vom Jugendamt, Vormündern u.a. geführt. Im zweiten Schritt wird auf Basis der Interviews ein Fragebogen erstellt, der deutschlandweit an Pflegeeltern verteilt wird. Die bundesweit durchgeführte Studie soll damit eine Vergleichbarkeit zwischen den Bundesländern ermöglichen.
Projektpartner: Institut für wirkungsvolle Sozialarbeit (iWS) | PFAD Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V.
Förderer: Postcode Lotterie | Crespo Foundation
„ElSe“ (Eltern-Selbstorganisation) (2025-2026)
Das Praxisforschungsprojekt „Erziehungshilfen – nicht ohne uns!“ (ElSe) befasst sich mit der Förderung von Eltern-Selbstorganisationen im Kontext einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe. Ausgangspunkt des Projekts ist § 4a SGB VIII, der die Förderung von Selbstvertretungsstrukturen von jungen Menschen und Eltern als zentralen Bestandteil einer partizipativen Kinder- und Jugendhilfe stärkt.
Ziel des Projekts ist es, Eltern als Expert*innen in eigener Sache systematisch in die Weiterentwicklung von Erziehungshilfen einzubeziehen, ihre Vernetzung zu fördern und Selbstorganisationsstrukturen nachhaltig zu stärken. Hierzu werden an vier ausgewählten Modellstandorten Eltern-Selbstorganisationen aufgebaut und in ihrer Entwicklung fachlich begleitet.
Das Projekt verbindet praxisnahe Entwicklungsarbeit mit wissenschaftlicher Reflexion und Analyse. ElSe ist als qualitatives Praxisforschungsprojekt angelegt. Die empirische Grundlage bilden leitfadengestützte Gruppendiskussionen mit Eltern an den Modellstandorten, die im Verlauf des Projekts durchgeführt und wissenschaftlich ausgewertet werden. Ziel ist es, die Erfahrungen und Perspektiven von Eltern zum Prozess des Projekts sichtbar zu machen und die Bedingungen gelingender Eltern-Selbstorganisation im Feld der Erziehungshilfen zu analysieren. Auf Grundlage der empirischen Ergebnisse werden Impulse für die Fachöffentlichkeit entwickelt, die zur Stärkung partizipativer und inklusiver Strukturen in der Kinder- und Jugendhilfe beitragen sollen.
Projektpartner: Fachhochschule Dortmund | Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGFH)
Projektträger: Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)
Evaluation des bindungsorientierten Beratungsprogramms „Attachment and Biobehavioral Catch-Up“ in den Regelstrukturen der Kinder- und Jugendhilfe (2024-2028)
In der angloamerikanischen Forschung haben sich Beratungsansätze als besonders erfolgreich erwiesen, die auf die Förderung einer positiven Bindungsentwicklung bei Pflegekindern abzielen. Das Beratungskonzept „Attachment and Biobehavioral Catch-up“ (ABC) gilt weltweit als der erfolgreichste bindungsorientierte Ansatz für Pflegefamilien (Dozier/Bernard 2019).
In einem Pilotprojekt des DJI (2017 bis 2020) wurde das ABC-Programm für Kinder im Alter von 6 bis 24 Monaten an drei Standorten in Deutschland erprobt. Es wurde sowohl von den teilnehmenden Pflegefamilien als auch den Berater:innen sehr gut angenommen, und es zeigten sich positive Effekte auf das Elternverhalten und die Bindungsentwicklung der Kinder (Zimmermann/Németh/Kindler 2021). Eine Implementatierung des ABC-Programms in Deutschland scheint folglich prinzipiell erfolgversprechend.
Im Rahmen eines Rollout-Projekts, finanziert durch die Karl-Kübel-Stiftung, werden beim Odenwald-Institut als Fortbildungsträger in einem mehrstufigen Prozess ABC-Berater:innen, Supervisor:innen und Trainer:innen ausgebildet und damit die Grundlagen für eine zukünftige bundesweite Implementierung des ABC-Beratungsansatzes gelegt.
Um Fragen zum zusätzlichen Nutzen des Programms (im Vergleich zu bislang deutlich weniger intensiven Unterstützungsleistungen in Deutschland) sowie Fragen zur Implementierbarkeit beantworten zu können, wird das Rollout-Projekt vom DJI wissenschaftlich begleitet. Dabei wird zusätzlich zu dem im Pilotprojekt erprobten Beratungsansatz für jüngere Pflegekinder („ABC Infant“) erstmals auch die Version für Kinder von 24 bis 48 Monaten („ABC Early Childhood“) erprobt und evaluiert.
Das Projekt gliedert sich auf in zwei Teilprojekte:
Im ersten Teilprojekt erfolgt eine Wirksamkeitsüberprüfung durch eine Verlaufskontrolle von 100 Beratungsfällen an ca. zehn Modellstandorten. Im zweiten Teilprojekt soll mit Hilfe von Interviews mit den ABC-Berater:innen und den Leitungskräften der teilnehmenden Pflegekinderdienste und Beratungsstellen die Implementierbarkeit des Programms in die Praxis untersucht werden.
Den Projektabschluss bildet ein bundesweiter Fachtag, in dessen Rahmen die Projektergebnisse des Projekts mit Akteuren der Kinder- und Jugendhilfe, Politik und Forschung sowie mit Interessensvertretungen diskutiert und Perspektiven für die Weiterentwicklung einer evidenzbasierten Praxis des Pflegekinderwesens entwickelt werden.
siehe auch:
- Förderung positiver Bindungsbeziehungen in Pflegefamilien (2017-2020)
Projektpartner: Deutsches Jugendinstitut (DJI) | Karl Kübel Stiftung / Odenwald Institut
Projektträger: Karl Kübel Stiftung | Dietmar Hopp Stiftung | N&B Stiftung
EliA – Elternschaft im Adoptionsprozess (2024-2027)
Das Phänomen (Fremd-)Adoption ist kaum soziologisch untersucht. Es liegen zwar einige Studien zum Geschehen nach dem Matching vor, doch wissen wir so gut wie nichts über den vorgelagerten Adoptionsprozess: Wie werden (zumeist kinderlose) Adoptionsbewerber*innen auf ihre ‚Eignung‘ als Eltern hin geprüft und als (nicht-)geeignet klassifiziert, und wie wird sodann unter den vielen ‚geeigneten‘ Bewerber*innen dasjenige Paar identifiziert, das am besten zu einem zur Adoption freigegebenen Kind passt?
Wir fassen den Prozess aus einer interaktionistischen Perspektive als Ko-Konstruktion guter Eltern(schaft) zwischen Adoptionsbewerber*innen und Adoptionsvermittler*innen. Mit dem Projektvorhaben wollen wir
- die Adoptionsvermittlung in Deutschland aus Sicht der Adoptionsvermittler*innen und der Adoptionsbewerber*innen verstehen. Darüber hinaus verspricht der Sonderfall Adoption
- einen geeigneten Zugang zum normativen Muster guter Kindheit/Elternschaft und deckt dabei
- die Wirkmächtigkeit des normativen Musters für die (Re-)Produktion von Ungleichheiten auf.
Das Projekt folgt der Idee, an einem ‚kleinen‘ Gegenstand grundlegende soziologische Fragen zu Kindheit/Familie und sozialen Ungleichheiten zu untersuchen. Besondere Bedeutung kommt dem Forschungsvorhaben vor dem Hintergrund der Änderungen der Richtlinien und Gesetze zur Adoption (insbesondere in Bezug auf gleichgeschlechtliche und ältere Adoptionsinteressierte) zu bzw., allgemeiner formuliert, der Pluralisierung von Familienformen.
Als Datengrundlage dienen
- prozessbegleitende Interviews im Längsschnitt mit Adoptionsvermittler*innen und Bewerber*innen,
- teilnehmende Beobachtung von Teamsitzungen im Jugendamt und Informationsveranstaltungen für Bewerber*innen sowie
- Dokumente wie Eignungsberichte der Jugendämter und Selbstberichte der Bewerber*innen.
Projektpartner: Universität Duisburg-Essen | TU Dortmund
Projektträger: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Pflegekinder – next generation III (2024-2026/28)
In der letzten Phase des Schweizer Projektes (2024-2026, optional bis 2028) werden zuvor definierte Massnahmen zur Erreichung der Zielsetzungen umgesetzt. Damit die Aufwachsbedingungen von Pflegekindern langfristig verbessert werden können, soll die Handlungssicherheit der direkt Beteiligten sowie von Personen in deren Umfeld erhöht sowie die Gesellschaft als Ganzes sensibilisiert werden.
In Frage kommen Aktivitäten wie beispielsweise politische Lobbyarbeit, Kampagnen, Veranstaltungen für Information und Fachaustausch, Entwicklung von Lehrgängen für die Aus- und Weiterbildungen der Pflegefamilien und Fachkräfte und anderes.
siehe auch:
- Pflegekinder – next generation: Systematische Forschung (2019-2023)
- Pflegekinder – next generation: Moderierter Dialog (2020-2023)
Projektpartner: PACH | Integras | SODK | KOKES | BSV | u.a.
Projektträger: Palatin-Stiftung
MEDIJU – Medikamente in der Kinder- und Jugendhilfe (2024-2026)
Die Medikation von jungen Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe wird gegenwärtig systematisch sowohl historisch aufgearbeitet als auch angesichts von umstrittenen aktuellen Praktiken – so z.B. die Medikation von jungen Menschen durch den Kinder- und Jugendpsychiater Winterhoff – in Bezug auf Verfahren in der Gegenwart problematisiert. Es stellt sich grundlegend – auch über die aktuellen Aufarbeitungen hinaus – die Frage, wie aktuell die medizinische Behandlung junger Menschen u.a. mit Psychopharmaka in Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe und Pflegefamilien praktiziert wird, welche Erfahrungen junge Menschen damit machen und wie transparente Verfahren etabliert werden können, die für die jungen Menschen nachvollziehbar sind und ihre Rechte verwirklichen, wie es auch in der Medizin gefordert wird. Diese Aufgabe stellt sich im Alltag der stationären Kinder- und Jugendhilfe mit ihren unterschiedlichen Akteur*innen in den jeweiligen Verantwortungsbereichen als besondere Herausforderung dar. Deshalb soll im Rahmen der Praxisforschung und -entwicklung von MEDIJU die multiprofessionelle und -sektorale Zusammenarbeit der Beteiligten – Sorgeberechtigte (Eltern und insbesondere Vormund*innen), Erziehungsberechtigte (Betreuer*innen und Pflegeeltern), der Ärzt*innen und junge Menschen – in den Blick genommen werden.
Dabei sollen die jeweiligen Zugänge der verschiedenen Beteiligten, insbesondere auch der sorgeberechtigten Eltern oder Vormund*innen herausgearbeitet, Unklarheiten in der Verantwortungsübernahme und den organisationalen Verfahren analysiert und die Beteiligung der jungen Menschen reflektiert werden. Einbezogen werden soll dabei die Sichtweise der jungen Menschen und der anderen Beteiligten auf das Verhältnis der Medikation zur psychotherapeutischen Versorgung.
Auf dieser Grundlage zielt das Projekt darauf ab, u.a. in einem Workshop mit jungen Menschen und den unterschiedlichen Beteiligten – hier wiederum mit einem besonderen Fokus auf die Sorgeberechtigten – transferfähige Qualitätsstandards für die alltägliche Verfahrenspraxis zu entwickeln, die in der multiprofessionellen und -sektoralen Praxis der Medikation junger Menschen in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe handlungsleitend sein können. Diese Qualitätsstandards werden so kinder- und jugendgerecht und in einfacher Sprache aufbereitet, dass sie den jungen Menschen unmittelbar in Einrichtungen und Pflegefamilien zugänglich werden. Das Wissen soll zudem in zwei digitalen Fortbildungen an die beteiligten Fachkräfte weitergegeben werden.
Projektpartner: Universität Hildesheim | Bundesforum Vormundschaft und Pflegschaft e.V.
Projektträger: Stiftung deutsche Jugendmarke e.V.
Soziale Teilhabe von Jugendlichen in stationären Hilfen zur Erziehung in Zeiten von Pandemien ermöglichen (JuPa) (2023-2026)
Das Verbundforschungsprojekt zielt darauf ab, die Auswirkungen der Coronakrise auf Teilhabe- und Entwicklungsbedingungen sowie Bildungsbenachteiligungen von Jugendlichen in stationären Jugendhilfeeinrichtungen sowohl aus der Sicht der Heranwachsenden selbst als auch der Fachkräfte der Jugendhilfe systematisch zu rekonstruieren. Es schließt damit eine zentrale Forschungslücke im Hinblick auf entstandene Bildungsbeeinträchtigungen und die institutionelle Förderung sozialer Teilhabe dieser Zielgruppe im Kontext pandemiebedingter Krisen.
Das Vorhaben verfolgt eine fundierte Grundlagenforschung und soll innovative und praxistaugliche Konzepte liefern.
Projektpartner: TU Dortmund | Leuphana Universität Lüneburg
Projektträger: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
FORM – Therapeutic foster care for unaccompanied minor refugees and their foster families (2022-2025)
Eines der Hauptanliegen des FORM-Projektes besteht darin, sowohl die allgemeinen Beratungsmethoden für Pflegefamilien mit unbegleiteten Minderjährigen als auch die spezifischeren präventiven und therapeutischen Interventionen zu optimieren und innerhalb eines lernenden Netzwerks von Pflegekinderdiensten und Organisationen unterstützende Informationen und Methoden zu entwickeln, die die Arbeit in Pflegefamilien mit unbegleiteten Minderjährigen stärken.
Der Beitrag am FG-Psychoanalyse der Humanwissenschaften an der Universität Kassel war es, ein präventives Unterstützungsprogramm zu entwickeln, das Pflegekinderdienstmitarbeitende in ihrer Arbeit mit Pflegeeltern von Kindern und Jugendlichen mit Fluchthintergrund unterstützt.
Veröffentlichungen:
Weitere Informationen zum EU-Projekt FORM unter: https://form.ensa-network.eu/
Projektpartner: Universität Kassel | Odisee University College (Belgien, Projektkoordination) | Pleegzorg Oost-Vlaanderen (Belgien) | Salesiani per il Soziale (Italien) | Hope for Children (Zypern) | ENSA – European Network for Social Authorities
Projektträger: Erasmus+ Programm der EU
Verbesserung der Kooperation bei Adoption von Pflegekindern (2022-2025)
Viele Pflegekinder in Deutschland leben in auf Dauer angelegten Vollzeitpflegeverhältnissen (gem. § 33 SGB VIII), d.h. sie leben über viele Jahre in einer Pflegefamilie, dabei jedoch oft ohne eine tatsächliche rechtliche Absicherung des dauerhaften Verbleibs. Diese rechtliche Unsicherheit kann für Kinder mit einer emotionalen Unsicherheit verbunden sein. Von vielen Expertinnen und Experten wird deshalb eine Intensivierung und Qualifizierung von Entscheidungsprozessen der Kinder- und Jugendhilfe mit dem Ziel einer dauerhaften Perspektivklärung diskutiert (Palacios u.a. 2019; Tarren-Sweeney 2016; Salgo 2013; Tarren-Sweeney 2016).
Neben der mit Inkrafttreten des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes neu eingeführten Dauerverbleibensanordung (§ 1632 Abs. 4 BGB) ist in Deutschland bereits seit vielen Jahren ein Instrument zur Kontinuitätssicherung im SGB VIII verankert, indem vor und während der Gewährung einer Hilfe, die eine auf Dauer angelegte Unterbringung eines Kindes außerhalb der eigenen Familie zum Ziel hat, zu prüfen ist, ob eine Annahme als Kind in Betracht gezogen werden kann (§ 37c Abs. 2 S. 3 SGB VIII). Trotz dieser gesetzlichen Regelung werden in Deutschland im internationalen Vergleich jedoch sehr wenige Kinder aus Pflegeverhältnissen adoptiert (für eine aktuelle Übersicht vgl. Pösö u.a. 2021).
Ziel des Projekts ist es, die aktuelle Praxis und Praxisprobleme bei der Prüfung der Möglichkeit der Adoption bei Pflegekindern zu untersuchen, und die Perspektiven und Sichtweisen der beteiligten Fachdienste, der Pflegeeltern, der Herkunftseltern und beteiligter Vormünder von Kindern, die über eine längere Zeit in einer Vollzeitpflege untergebracht sind, zu erfassen. Dabei sind vor dem Hintergrund des mit dem Adoptionshilfe-Gesetz neu eingeführten Kooperationsgebots (§ 2 Abs. 5 AdVermiG) insbesondere die Kooperationsstrukturen und -prozesse der beteiligten Fachdienste von Interesse.
Zur Verwirklichung der Projektziele wird ein multimethodischer und multiperspektivischer Zugang gewählt. Das Projekt gliedert sich in drei Teilprojekte, deren Befunde in einem integrierenden Thesenpapier zusammengefasst werden.
Im ersten Teilprojekt wird die Praxis in solchen Pflegekinderdiensten und Adoptionsvermittlungsstellen untersucht, die überdurchschnittlich viele Adoptionen von Kindern aus einer Vollzeitpflege initiieren. Ziel der Auswertung ist es, Kooperationsstrukturen und Prozesse in der Hilfeplanung zu identifizieren, die die Prüfung der Möglichkeiten einer Adoption bei Pflegeverhältnissen fördern.
Im zweiten Teilprojekt werden in einem Mixed-Methods-Design Erfahrungen, Sichtweisen, Hürden und Lösungen bei der Überprüfung der Möglichkeit einer Adoption eines Pflegekindes aus der Sicht verschiedener Beteiligter (Fachkräfte, Pflegeeltern, Herkunftseltern und Vormünder) erfasst. Geplant ist zunächst eine quantitative Fragebogenerhebung bei den genannten Personengruppen mit dem Ziel, grundlegende Informationen zur Anwendung des § 37c Abs. 2 S. 3 SGB VIII zu sammeln. Ergänzend sollen wahrgenommene Hürden und Problemstellungen bei der Prüfung der Möglichkeiten einer Adoption in Fokusgruppen mit Fachkräften sowie in Telefoninterviews mit Pflegeeltern und Herkunftseltern vertieft erfragt werden.
Im dritten Teilprojekt wird die Rechtsprechung in Deutschland zur Adoption von Pflegekindern gesichtet und zusammengefasst mit dem Ziel, die bestehende Rechtspraxis in Bezug auf förderliche und hinderliche Faktoren für die Adoption eines Pflegekindes hin zu analysieren.
Projektträger: Deutsches Jugendinstitut
Zwangsadoptionen in der DDR/SBZ in der Zeit von 1945 bis 1989 (2022-2025)
Das Forschungsprojekt soll die Umstände von Zwangsadoptionen aufarbeiten und die verschiedenen Definitionen des Begriffs Zwangsadoption noch einmal diskutieren, an neuem Material überprüfen und im Fokus verschiedener Wissenschaftsdisziplinen entfalten.
Das Forscherteam ist interdisziplinär aufgestellt und besteht u.a. aus Sozialethikern, Erziehungswissenschaftlern, Juristen, Psychologen und Medizinhistorikern unterschiedlicher Universitäten und Institute.
Politisch motivierte Adoptionsverfahren in der DDR standen vielfach in Zusammenhang mit politischer Haft, Ausreise oder anderweitiger politisch motivierter Repression gegen die leiblichen Eltern. Neben Recherchen in einschlägigen Aktenbeständen ist u.a. auch die Entwicklung eines eigenen Zeitzeugenportals in Form einer Homepage geplant.
Durch eine umfangreiche Vorstudie und zwei vorausgegangene Gesetzesänderungen wurden die rechtlichen Voraussetzungen für den Zugang zu den Akten der DDR Jugendhilfe geschaffen. Mit dem Projekt setzt das BMI einen Beschluss des Deutschen Bundestags um.
Projektpartner: Universität Leipzig | Medical School Berlin | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf | Johannes-Gutenberg-Universität Mainz | Deutsches Institut für Heimerziehungsforschung Berlin
Projektträger: Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI)
siehe auch weiter unten:
Vorstudie: Dimension und wissenschaftliche Nachprüfbarkeit politischer Motivation
in DDR-Adoptionsverfahren 1966‒1990 (2017-2018)
Praxisprojekt „Jugendhilfe nachgefragt! (2022-2024)
„Jugendhilfe nachgefragt!“ ist die Antwort auf die vielerorts erfahrene mangelnde Informiertheit und Unsicherheit von Pflegekindern bezüglich des sie umgebenden Hilfeplansettings. Ausgehend von der Überzeugung, dass umfassende Informationen sowie altersgerechte Kommunikation die Basis bilden für eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Pflegekindern und ihrem pädagogischen und behördlichen Gegenüber, lädt das Projekt Pflegekinder und Careleaver*innen ein, vielleicht erstmals zu handlungsleitenden Akteur*innen zu werden.
Das Projekt bestärkt die beteiligten Pflegekinder und Careleaver*innen darin, dass sie sich, wie im Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (2021) betont, als eigenständige Subjekte und Zentrum der Hilfeplanung wahrnehmen. Mehr Information zum Jugendhilfesystem, zu ihren allgemeinen Rechten, aber auch zu den zur Verfügung stehenden Beteiligungsmöglichkeiten sind elementarer Bestandteil des Projekts. Durch den Aufbau einer Gruppe werden Peer-Kontakte ermöglicht und befördert, die zu einer möglichen Mitgliedschaft in der neu entstehenden AG Pflegekinder im Careleaver e. V. führen können.
Begegnungen zwischen Vertreter*innen der Jugendhilfe und den jungen Akteur*innen im Projekt haben Hürden bei der Kontaktaufnahme abgebaut und einen intensiven Austausch und Dialog ermöglicht, der das Verständnis für die jeweils andere Perspektive sowie die gelingende Interaktion bei der Suche nach einer bestmöglichen Lösung im Laufe der Hilfeplanung befördert.
Auf Seiten der Fachkräfte kann dieser Perspektivwechsel in hohem Maße befruchtend für die weitere sozialpädagogische Arbeit sein. Die entstehenden Veröffentlichungen sind als Positivimpuls für einen verbesserten Dialog zwischen Jugendhilfeempfänger*innen und Vertreter*innen der Jugendhilfe gedacht.
Projektpartner: Kompetenzzentrum Pflegekinder e. V. | Initiative Brückensteine Careleaver der Social Impact gGmbH (Berlin) | Careleaver e. V. |
Hephata Diakonie Jugendhilfe Kassel | Löwenzahn Erziehungshilfen e. V. | PFIFF gGmbH Hamburg | Pflege-Familien-Zentrum „Das Kind im Blick“ der Caritas Rostock | PiB Pflegekinder in Bremen gGmbH
Förderer: Aktion Mensch
Projektergebnisse: https://jugendhilfe-nachgefragt.de/
Fostering Changes (2022-2024)
Die Studie ist als Pilotstudie im Sinne einer Machbarkeitsstudie geplant, es können Eltern von Pflegekindern im Alter von 2-11 Jahren teilnehmen, die über hinreichende deutsche Sprachkenntnis für die Teilnahme am Elterntraining verfügen.
Insgesamt wird angestrebt, 72 Pflegeeltern (d.h. sechs Gruppendurchläufe) für die Studienteilnahme zu gewinnen, die Rekrutierung erfolgt in erster Linie über die lokalen Jugendämter. Die Gesamtdauer des Forschungsvorhabens ist auf 24 Monate angelegt.
Wichtigste Zielgröße ist ein von den Pflegeeltern festgelegtes, spezifisches Problemverhalten des jeweiligen Pflegekindes, welches mit der „Carer-Defined Problems Scale“ zu Beginn und nach Ende des Elterntrainings gemessen wird.
Weitere Zielvariablen sind die Bindungsqualität zwischen Pflegeeltern und –kind, die Selbstwirksamkeit der Pflegeeltern, die klinische Symptomatik des Pflegekindes und der Erziehungsstil der Pflegeeltern.
Ergänzend werden soziodemographische Daten der Pflegefamilien erfasst.
Projektpartner: Universitätsklinikum Ulm
Projektförderer: Friede Springer Stiftung
Ergebnisse der Pilotstudie (englisch)
Inobhutnahme (2022-2024)
Wie erleben junge Menschen und Eltern den Prozess der Inobhutnahme durch das Jugendamt?
Wie bewältigen sie dieses kritische Lebensereignis?
Was erleben sie als unterstützend und was möglicherweise als krisenverschärfend?
In welcher Form werden sie beteiligt?
Die Reflexion dieser und ähnlicher Fragen sind für eine gelingende Praxis unerlässlich, zugleich jedoch bisher empirisch nicht erforscht. Das Projekt möchte dazu beitragen, einen Teil dieser Wissenslücke zu schließen.
In einem gemeinsamen explorativen Projekt werden die Erlebensperspektiven (vormals) in Obhut genommener junger Menschen und deren Eltern beleuchtet. Die Analyse der Sichtweisen von Adressat*innen ist dabei der Ausgangspunkt zur Entwicklung von Impulsen für die Praxis der Inobhutnahme.
Hierzu arbeitet das Projekt mit Praxisvertreter*innen von je vier öffentlichen und freien Trägern zusammen, die eine kontinuierliche Projektgruppe bilden. Durch den trägerübergreifenden Austausch, einem begleitenden Fachbeirat sowie der prozesshaften Diskussion und Verbreitung der Erkenntnisse zielt das Projekt darauf ab, einen Transfer für die Inobhutnahme-Praxis insgesamt herzustellen.
Projektpartner: Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen e.V. (IGfH) | Perspektive gGmbH | Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen | Evangelische Jugendhilfe Münsterland | Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen NRW e.V. | PiB Pflegekinder in Bremen gGmbH | Jugendämter Iserlohn, Stadt Köln und Stuttgart
Projektträger: Stiftung Deutsche Jugendmarke in Kooperation mit der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen e.V. (IGfH)
GemeinsamStark (2022-2023)
Ziel des Verbundprojekts ist, eine innovative APP zu entwickeln, die Pflegeeltern im Alltag mit ihrem Pflegekind konstant Unterstützung und Entlastung durch interaktive Lern-Tutorials, Soforthilfemöglichkeiten und digitale Vernetzung bietet.
Projektpartner: Audiovisuelles Medienzentrum, Uniklinik RWTH Aachen | Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Uniklinik RWTH Aachen | PFAD Bundesverband e.V.
Projektträger: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Die Suche nach den besten Eltern (2022)
Alexandra König und Arne Niederbacher gingen der Frage nach, welches normative Muster guter Elternschaft bzw. Kindheit der Adoptionsvermittlung in Deutschland zugrunde liegt. Gute, gar die ‚besten‘ Eltern für ein Kind zu bestimmen, ist Aufgabe von Adoptionsvermittler*innen. Ihr Auftrag ist (1) die Eignung von (oftmals kinderlosen) Bewerber*innen als Eltern zu prüfen und (2) unter den vielen als ‚geeignet‘ klassifizierten Bewerber*innen die ,passenden‘ für ein spezifisches Kind auszuwählen.
Gegenstand der an der Grounded Theory orientierten Analyse sind die „Empfehlungen zur Adoptionsvermittlung“, welche seit rund 40 Jahren Vermittler*innen als Orientierung dienen. Sie ermöglichen, die Variabilität des normativen Musters zu erfassen. Erkennbar wird ein Wandel der Bewertungskriterien – vom ‚objektiven‘ Status (etwa Alter, Familienstand) hin zum selbstreflektierten Subjekt – bei gleichzeitiger Konstanz der Orientierung an der Mittelschicht.
Veröffentlicht in der Zeitschrift für Soziologie 2022 Band 51 Heft 3
https://doi.org/10.1515/zfsoz-2022-0018
Geteilte Sorgeverantwortung in der Vormundschaft und die Stärkung des Ehrenamts (2022)
Björn Heinz (Hrsg.), Katharina Pelkmann, u.a. untersuchten im Forschungsprojekt “Geteilte Sorgeverantwortung in der Vormundschaft und die Stärkung des Ehrenamts“ die Zusammenarbeit ehrenamtlicher Einzelvormund*innen mit professionelle/n Pfleger*innen, die sogenannte Betreuung im Tandem (BiT).
Anhand von leitfadengestützten Experteninterviews wurde erforscht, inwieweit die Erfahrungen aus der rechtlichen Betreuung im Tandem Hinweise darauf liefern können, unter welchen Voraussetzungen die Möglichkeiten einer geteilten Sorgeverantwortung in Folge des „Gesetzes zur Reform des Vormundschafts- und Betreuungsrechts“ zu einer tatsächlichen Stärkung des Ehrenamtes in der Vormundschaft führen.
Auch hat interessiert, wie eine konstruktive Kooperation zwischen mehreren verantwortlichen Personen aussehen kann und welche Strukturen in Behörden, Vereinen und Amtsgerichten dafür förderlich sein können.
Projektträger: Universität Siegen
Publikation: https://doi.org/10.25819/ubsi/10252
Care Leaver Statistics – CLS (2021-2030)
Die CLS-Studie ist die erste deutschlandweite Panelstudie zum „Leaving Care“ junger Menschen, die in Pflegefamilien oder stationären Wohnformen der Kinder- und Jugendhilfe aufgewachsen sind. Sie untersucht die soziale Teilhabe vor, während und nach dem Übergang ins sich entwickelnde Erwachsenenleben.
Die Studienteilnehmer*innen sind zu Beginn der Langzeitstudie zwischen 16-19 Jahre alt. Die Befragung startet mit 2.000 jungen Menschen und ermöglicht die Längsschnittbetrachtung der Verläufe sozialer Teilhabe.
Die Ergebnisse sollen sowohl Auskunft über Lebensverläufe und damit wichtige Informationen für die weitere Ausgestaltung von Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik als auch wichtige Hinweise für die weitere Ausgestaltung der Angebote der Kinder- und Jugendhilfe geben.
Projektpartner: Universität Hildesheim | Deutsches Jugendinstitut e.V. | Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung e.V. | Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen
Projektträger: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
Bilder der Pflegefamilie (2021-2024)
Eine Schlüsselfrage für eine gelingende Anwerbung von Pflegefamilien, Vorbereitung der Pflegefamilie, den Vermittlungs- und Begleitungsprozess ist, welche Bilder einerseits Fachkräfte von Pflegefamilien haben, welche Bilder die Pflegefamilie von sich selbst hat, welche medialen Bilder gesellschaftlich vermittelt werden, mit denen die Akteur*innen der Pflegekinderhilfe konfrontiert sind und sich auseinandersetzen müssen und wie alle diese Bilder auf das Handeln der Fachkräfte und auf die Kooperation zwischen Fachkräften und Pflegefamilien ein- und zusammenwirken.
Durch das Projekt wird ein Zugang erarbeitet zu tieferliegenden Überzeugungen der Akteur*innen in der Pflegekinderhilfe sowie zu Gesellschaftsbildern, die auf die Pflegekinderhilfe als System sowie die Prozesse der Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und Pflegefamilien einwirken.
Zentrales Ziel des Projektes ist es, Überschneidungen und Differenzen zwischen Fremd- und Selbstbildern von Pflegefamilien zu erforschen und damit das Profil der Spannungsfelder in den Handlungen der Akteur*innen herauszuarbeiten. Auf dieser Basis können Weiterentwicklungsmöglichkeiten und -grenzen der Pflegekinderhilfe in der Praxis fundiert diskutiert werden und Reflexionsflächen für Fachkräfte geschaffen werden.
Projektpartner: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften – ZHAW
Projektträger: Schweizer Nationalfonds
Kompetenzzentrum Kinderwunsch „KompKi“ (2021-2024)
Das Projekt „KompKi“ trägt dazu bei, den Herausforderungen rund um das Thema „unerfüllter Kinderwunsch“ zukunftsorientiert begegnen zu können. Ergebnis wird ein inhaltliches Konzept für die Errichtung eines bundesweit agierenden Kompetenzzentrums Kinderwunsch sein, welches die Bereiche Vernetzung, Forschung, Information, Beratung und Unterstützung umfasst.
Im Projekt soll neben der Erstellung des Konzepts mittels Forschung eine Bündelung der in Deutschland bereits vorhandenen Expertise erfolgen und erste interdisziplinäre Kooperations- und Vernetzungsstrukturen zwischen relevanten Fachbereichen geschaffen werden. Bereits vorhandene und im Verlauf des Projektes entstehende Vernetzungs-, Beratungs- und Fortbildungsangebote werden öffentlichkeitswirksam verbreitet und bekannt(er) gemacht.
Projektpartner: Evangelische Hochschule Nürnberg
Projektträger: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ
Familie auf Zeit – Who cares after care? (2021-2024)
Die Erhebung von Erfahrungen junger Menschen aus Pflegefamilien sowie von Pflegefamilien im Übergang aus der Jugendhilfe hat zum Ziel, strukturelle Risiken der sozialen Teilhabe in der Übergangsgestaltung und aus der Pflegekinderhilfe und deren biografische Bearbeitung von Care Leaver*innen zu identifizieren. Zudem soll der gemeinsame Herstellungsprozess der Transformation der Familie auf Zeit am Ende der Pflegekinderhilfe beleuchtet werden.
Projektpartner: Universität Hildesheim
Projektträger: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Gute Begleitung von Pflegeverhältnissen (2021-2023)
Um zu verstehen, was eine „gute“ Begleitung von Pflegeverhältnissen bedeutet, ist ein mehrdimensionaler Ansatz besonders geeignet, da er es ermöglicht zu verstehen, wie Unterstützung aus der Sicht der untergebrachten Kinder, der Mitglieder der Pflegefamilie, der Mitglieder der Herkunftsfamilie sowie der beteiligten Fachkräfte erlebt wird. Demzufolge wird im vorliegenden Projekt der Ansatz gewählt komplexe Fälle von Begleitungen von Pflegeverhältnissen aus den verschiedenen Perspektiven zu untersuchen und zu rekonstruieren.
Diverse Faktoren werden dabei berücksichtigt, um die volle Komplexität einer guten Begleitung zu erfassen, wie z. B. die Zufriedenheit von Kindern und Erwachsenen hinsichtlich der Begleitung, die Möglichkeit Kontinuität zu sichern, die Stabilität des Pflegeverhältnisses und die Bedingungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit in verschiedene Figurationen.
Um alle Faktoren zu berücksichtigen wird im Projekt ein methodisch kreativer und innovativer Ansatz genutzt, mit dem die Erfahrungen mit der Begleitung in kontrastierenden Fällen aus verschiedenen Perspektiven erhoben werden können.
Für die Realisierung dieses Projekts wird mit Partnern in vier Kantonen zusammengearbeitet, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Praxis und Struktur sowie ihrer Repräsentativität für die drei Sprachregionen der Schweiz ausgewählt wurden.
Das Projekt ist Teil einer grösseren Initiative der Palatin Stiftung mit insgesamt drei Forschungsprojekten unter dem Gesamttitel „Pflegekinder Next Generation“.
Projektpartner: ZHAW Soziale Arbeit, Institut für Kindheit, Jugend und Familie | PA-CH Pflege. und Adoptivkinder Schweiz | INTEGRAS Fachverband Sozial- und Sonderpädagogik | SODK – CDAS – CDOS | Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz KOKES
Projektträger: Palatin Stiftung
Study Care (2021-2023)
Junge Menschen, die in betreuten Wohnformen der Erziehungshilfe oder in Pflegefamilien aufgewachsen sind und aus diesen Hilfeformen heraus ein eigenverantwortliches Leben beginnen (= Care Leaver:innen) sind im Übergang ins Erwachsenenleben auf gute Infrastrukturen im Ausbildungssystem angewiesen. Die Zugänge an Hochschulen und die Struktur des Studierens erweisen sich für Care Leaver:innen jedoch als Barrieren für den Weg in eine akademische Ausbildung. Insbesondere im Hinblick auf die Studienfinanzierung sowie auf (außer familiäre) Unterstützungstrukturen im Kontext Hochschule ist Entwicklungsbedarf zu erkennen.
Ziele sind u.a. der Ausbau von (Hochschul-)Beratungsstrukturen sowie Online-Peerberatung und die Förderung des Hochschulzugangs für Care Leaver*innen durch die Hochschulen selbst.
Projektpartner: Universität Hildesheim
Projektträger: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Kinder mit Behinderungen in der Pflegekinderhilfe. Perspektiven und Herausforderungen Sozialer Elternschaft (2021)
Anhand von Interviews mit Pflegeeltern, die ein Kind mit Behinderung aufgenommen haben, wird ein Konzept der Umgangsformen mit den resultierenden Herausforderungen generiert. Die sozialpädagogisch orientierte Untersuchung mit allgemeinpädagogischen Dimensionen untersucht subjektive Erfahrungs- und Bildungsprozesse von Pflegeeltern.
Die Untersuchung zeigt, dass die Pflegeeltern drei unterschiedliche Umgangsmuster als Reaktion auf die Herausforderungen durch die besonderen Bedürfnisse eines Pflegekindes entwickeln, die im persönlichen Selbst- und Weltbezug begründet sind.
Bindungstrauma bei Adoptiv- und Pflegekindern (BAPAS) (2020-2024)
Das BAPAS-Projekt hat zum Ziel, die Wirksamkeit eines psychoanalytischen Therapieangebots für multipel komplex traumatisierte Adoptiv- und Pflegekinder (im Alter von acht bis elf Jahren) und ihre Adoptiv- bzw. Pflegeeltern zu untersuchen. Als Teil des erweiterten Netzwerks dieser Kinder werden auch ihre Lehrkräfte in die Intervention mit eingebunden.
Mit Hilfe eines randomisierten Wartegruppen-Kontrolldesigns wird die Wirksamkeit eines psychoanalytischen Therapieangebots für Adoptiv- und Pflegekinder (im Alter von acht bis elf Jahren), ergänzt durch eine Unterstützung ihrer Bezugspersonen untersucht. Ein signifikanter Teil dieser Kinder weist aufgrund multipler Beziehungsabbrüche und früher aversiver Erfahrungen ein erhöhtes Risiko für eine sogenannte multiple komplexe Traumatisierung auf (van der Kolk, 2009). Daraus ergibt sich ein besonderer psychotherapeutischer sowie schulischer Unterstützungsbedarf.
Es liegen zwar einige Angebote für Adoptiv- und Pflegekinder vor, bisher wurde jedoch die Wirksamkeit psychoanalytischer Therapie bei Pflege- und Adoptivkindern mit einer multiplen komplexen Traumatisierung nicht systematisch untersucht. Zudem mangelt es an gut evaluierten psychodynamischen Unterstützungsangebote für Adoptiv- und Pflegeeltern und Lehrkräfte von Adoptiv- oder Pflegekindern. Während die Kinder eine manualisierte psychoanalytische Kindertherapie erhalten, wird ihren Adoptiv- bzw. Pflegeeltern eine auf deren spezifische Bedarfe ausgerichtete Elternbegleitung angeboten. Zudem wird die Schule als Teil des erweiterten Netzwerks dieser Kinder durch individuelle bedarfsorientierte Beratungen der Lehrkräfte und durch Fortbildungen eingebunden. Ziel ist es, traumabedingte Entwicklungs- und schulische Teilhabebeinträchtigungen der Kinder zu reduzieren.
Projektpartner: Universität Kassel | Universität Frankfurt | Sigmund-Freud-Institut
Projektträger: DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
Zur Lebenssituation von SOS-Care-Leavern (2020-2023)
Projektträger: Sozialpädagogisches Institut des SOS-Kinderdorf e.V.
Pflegekinder – next generation II (2020-2023)
Das Schweizer Projekt „Pflegekinder – next generation“ startete mit einer umfassenden Forschungsbedarfsanalyse von 2019-2023.
Im zweiten Abschnitt „Moderierter Dialog“ werden in Dialoggruppen, in denen die relevanten Stakeholder des Pflegekindersystems Einsitz nehmen, Forschungsbedarf und Forschungsergebnisse laufend gespiegelt und für die Praxis nutzbar gemacht. Um den Dialog auf weitere Kreise auszudehnen und die Zwischenergebnisse des Projektes in einem interaktiven Prozess zu reflektieren, organisieren die Projektpartner spezifische Veranstaltungen, die sich an die Fachwelt wie auch an die Verwaltung richten.
siehe auch:
- Pflegekinder – next generation: Systematische Forschung (2019-2023)
- Pflegekinder – next generation: Verbesserungs- und Sensibilisierungsmassnahmen (2024-2026)
Projektpartner: PACH | Integras | SODK | KOKES | BSV | u.a.
Projektträger: Palatin-Stiftung
Heimathafen (2020-2023)
Ziel ist es, ein umfassendes Konzept zur Übergangsgestaltung gemeinsam mit Care Leaver*innen zu entwickeln und auf seine Anwendbarkeit und Akzeptanz zu testen. Gemeinsam mit den Kostenträgern und weiteren Akteuren der Jugendhilfe sollen im Projektverlauf Kriterien identifiziert werden, die eine Qualitätssicherung sowie eine Regelfinanzierung der benötigten Ressourcen ermöglichen können. Eine strukturelle Standardisierung der gemeinschaftlich entwickelten Form der Unterstützung ist Basis für eine Anwendung des Konzeptes in ganz Nordrhein-Westfalen.
Projektpartner: Universität Hildesheim | Evangelische Jugendhilfe Schweicheln
Projektträger: Diakonieverbund Schweicheln e.V.
Vormundschaft und Herkunftsfamilie (2020-2022)
Anliegen und Zielsetzungen des Projekts „Vormundschaften und Herkunftsfamilie“ leiten sich aus dem Vorgänger-Projekt „Vormundschaften im Wandel“ und aus der rechtlich und in der sozialpädagogischen Praxis hochkomplexen Gemengelage der Thematik ab.
Das Forschungsprojekt „Vormundschaft und Herkunftsfamilie“ zielt auf die Identifikation unterschiedlicher Erlebensweisen und -formen von Kindern unter Vormundschaft in Bezug auf ihre Herkunftsfamilie und Umgangskontakt(e) sowie auf die Generierung von Wissen zur Praxis von Vormund*innen in Bezug auf Herkunftsfamilie und Umgangskontakte. Aus den gewonnenen Erkenntnissen werden Impulse für die Praxis abgeleitet und in die Praxis transferiert, wodurch Vormund*innen Handlungssicherheit gewinnen können sollen.
Projektpartner: ISS e.V. | Bundesforum Vormundschaft und Pflegschaft e.V. | SkF e.V. | DIJuF e.V.
Projektträger: Stiftung Deutsche Jugendmarke
Ehrenamtliche Einzelvormundschaft und Pflegekinderhilfe (2020-2021)
Das Projekt untersuchte, welcher Bedingungen es bedarf, um ehrenamtliche Einzelvormundschaften für die Jugendhilfe und insbesondere für die Pflegekinderhilfe aktiv (besser) nutzbar zu machen.
Projektpartner: Kompetenzzentrum Pflegekinder e.V. | Bundesforum Vormundschaft und Pflegschaft e.V. | PiB Pflegekinder in Bremen gemeinnützige GmbH | PFIFF Fachdienst für Familien gGmbH | Familien für Kinder gGmbH | Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz ism gGmbH | Fluchtraum Bremen e. V.
Projektträger: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
„Plötzlich ist da viel mehr Nähe!“ Körperwahrnehmung und Beziehung – Studien zur Konzeption und Erprobung eines Förderangebots für Pflegefamilien (2020)
Gegenstand der Arbeit ist die Rekonstruktion eines zweijährigen Förderprogramms PfiB- Pflegefamilien in Bewegung im Kontext theoretischer Studien. Der Anlass für die Entwicklung dieses Förderprogramms für Pflegefamilien ergab sich aus der Begleitung, Beratung von Pflegekindern und deren Zusammenleben mit Pflegeeltern durch Familienbetreuer innerhalb eines Trägers der Kinder- und Jugendhilfe.
Die Dissertation beschäftigt sich mit der Beziehungskonstruktion zwischen Pflegekind und Pflegeeltern und der Frage der Bedeutungsdimension von Körperwahrnehmung und Beziehung, sowie inwiefern sie durch bewegungs- und spielorientierte Interaktionen auf der Grundlage intensiver Körpererfahrungen verändert/verbessert werden kann.
Die langjährige Beobachtung von Pflegekindern hat gezeigt, dass sie mit sich und ihrem Körper und Menschen ihrer Umgebung anders umgehen, als Kinder, die wesentlich günstigere Bedingungen für eine gelungene Entwicklung und Erziehung vorfinden. In der Arbeit mit traumatisierten und beziehungsgestörten Kindern bestehen zahlreiche verhaltens- und spieltherapeutische Interventionen (Psychodynamisch – Imaginative Traumatherapie, Spieltherapie), die sich aber alle an das Kind alleine richten, bei diesem Angebot gab es ein gemeinsames Setting von Pflegekind und Pflegeeltern.
In den Ursprungsfamilien von Pflegekindern fehlen in vielen Fällen aufgrund von Deprivation, Verwahrlosung, Misshandlung und/oder Missbrauch wesentliche Bedingungen für eine gelungene Entwicklung. Das Bewegt-, Gepflegt-, Umhegt-, Gehalten-, Getragen- und Gestreichelt werden als ursprüngliche und basale Körpererfahrungen wurden in einem psychomotorischen Setting innerhalb der neuen Beziehungskonstellation zwischen Pflegekind und Pflegevater/-mutter in unterschiedlichsten kreativen Körper-, Wahrnehmungs-, Spiel- und Bewegungsszenarien angeboten und erlebt.
Die Ausführungen in dieser Arbeit sind Resultat einer zweijährigen Erprobung des Förderprogramms mit acht Pflegefamilien und dessen Überprüfung mittels qualitativer nicht standardisierter Fragebogenerhebung (Pflegeeltern und Pflegekinder) sowie der hermeneutischen Analyse einer Gruppendiskussion der teilnehmenden Pflegeeltern. Diese Arbeit will mit den gewonnenen Ergebnissen einen Diskussionsbeitrag leisten, inwiefern die Qualität der professionellen Betreuung und Begleitung von Pflegefamilien verbessert, die langfristige Verweildauer der Pflegekinder in ihr und deren Entwicklungsmöglichkeiten unterstützt werden können.
Ehemalige Pflegekinder als Eltern – Bewältigung infrage gestellter Elternschaft (2020)
Ein Erziehungsstil, der von einer klaren Struktur, einem Verhandeln von Regeln und einem flexiblen Reagieren auf das Kind geprägt ist, gilt heutzutage als beste Voraussetzung für eine gelingende Erziehung und Entwicklung des Kindes.
Aber was passiert, wenn Eltern weder diesem hohen Anspruch noch dem »Minimalstandard« einer gesellschaftlich gerade noch akzeptablen Qualität elterlicher Fürsorge entsprechen können? Was passiert, wenn Eltern scheitern und sogar in die Lage geraten, ihre Kinder durch staatlichen Eingriff zu verlieren?
Diese Problematik greift die vorliegende Studie mit der Analyse von Bedrohungsverläufen und deren Bewältigung bei infrage gestellter Elternschaft ehemaliger Pflegekinder auf.
Pflegekinder – next generation I (2019-2023)
Das Schweizer Projekt „Pflegekinder – next generation“ startete mit einer umfassenden Forschungsbedarfsanalyse, um bestehende Forschungslücken zu schliessen. Ziel war, den aktuellen Stand der Forschung in der Schweiz und im europäischen Ausland aufzuzeigen sowie die relevanten Forschungsthemen aus der Sicht der relevanten Stakeholder in Erfahrung zu bringen.
Die Forschungsbedarfsanalyse fokussierte sich auf folgende Themenfelder:
- Rechte und Rolle der Pflegekinder (rechtliche und individuelle Rahmenbedingungen)
- Pflegeverhältnis im Dreieck Pflegekind – Herkunftseltern – Pflegeeltern (familiäre Rahmenbedingungen bis über das Jugendalter hinaus)
- Hilfesystem und Umfeld (fachliche Rahmenbedingungen, Prozesse)
- Zur Verfügung stehende Ressourcen für die Pflegeverhältnisse (finanzielle und personelle Rahmenbedingungen)
Auf der Grundlage der Forschungsbedarfsanalyse entschied die Projektegruppe „Forschung & Entwicklung“ im Jahr 2020 über die Lancierung von weiteren Forschungsprojekten in der Schweiz.
siehe auch:
- Pflegekinder – next generation: Moderierter Dialog (2020-2023)
- Pflegekinder – next generation: Verbesserungs- und Sensibilisierungsmassnahmen (2024-2026)
Projektpartner: PACH | Integras | SODK | KOKES | BSV | u.a.
Projektträger: Palatin-Stiftung
EMPOWERYOU (2019-2023)
Ziel des Forschungsverbundes ist, Kinder und Jugendliche in Pflege- und Adoptivfamilien bei der Bewältigung früherer traumatischer Erfahrungen zu unterstützen und dem Risiko zukünftiger Mobbing- und Gewalterfahrungen entgegenzuwirken.
Die Projektpartner haben zwei Online-Programme entwickelt:
- EMPOWERYOU-Programm für Pflege- bzw. Adoptiveltern mit Kindern im Alter zwischen 8 und 13 Jahren
www.empoweryou-programm.de -
EMPOWER-YOUTH-Programm für junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren
www.empower-youth.de
Projektpartner: Universitätsklinikum Aachen | Medical School Berlin | Universität Bremen | Universität Bielefeld | Universität Karlsruhe | PFAD Bundesverband e.V.
Projektträger: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Gesundheits- und Lebensorientierung für Care Leaver (2019-2023)
Das Praxis-Forschungsprojekt zielt auf die Verbesserung der psychosozialen Gesundheits- und Lebenssituation von Care Leavern in spezifischen Problemlagen und damit auf deren gesellschaftliche Teilhabe. Das Forschungsprojektes wird in Kooperation mit Praxiseinrichtungen aus den Bereichen Jugendhilfe, Sucht- und Wohnungslosenhilfe sowie Jobcentern und Bildungseinrichtungen durchgeführt.
Projektpartner: Institut für Forschung und Weiterbildung (IFW) der Hochschule Koblenz
Projektträger: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Amis II (2019-2023)
Die Folgen von Kindesmisshandlung können auch noch im Erwachsenenalter zu pathogenen Veränderungen führen. Ziel des Verbundes ist es, ein Modell zu entwickeln, um diese Veränderungen besser vorhersagen zu können. Darüber hinaus wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Therapiemethode für misshandelte Kinder etablieren.
Projektpartner: Universitätsklinikum Leipzig | Stadt Leipzig | MSH Medical School Hamburg | Universität Siegen | Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Projektträger: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)