Autor*in: Iris Soppa-Fischer
Illustrationen von: Tina Ritter
Herausgeber: Ernst Reinhardt Verlag
Erscheinungsdatum: 2025
ISBN: 978-3-497-03313-3
Seitenzahl: 123

„Vielleicht ist heute einer dieser Tage. Deine Eltern scheinen nicht zuzuhören, deine Gefühle überfordern dich und der Schulstress ist einfach zu viel. Wenn du das kennst, sei dir sicher: Du bist nicht allein.“ – Im Klappentext wendet sich die Autorin offenbar an Schülerinnen und Schüler im Jugendalter.

Zwölf Geschichten von Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebenssituationen werden authentisch geschildert und das jeweilige Problem fokussiert. Anschließend beschreibt die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin den Weg zur Therapie und wie sich die Dinge dann zum Guten wenden. Jede Geschichte hat eine faszinierende, aufregende Illustration, in der ein Buchstabe versteckt ist. Alle zusammen ergeben am Ende ein Lösungswort.

Die aus dem Leben gegriffenen Situationen, Verhaltensweisen und Vorkommnisse sind durchwegs auch mir wohlbekannt. Doch wenn ich an meine (Pflege-)Kinder denke, glaube ich, dass ihnen das Buch nicht gut geholfen hätte. Weshalb, so frage ich mich beim Lesen, werden quälende Zeiten des Zweifelns und der Angst zu scheitern, an denen es vermutlich in keiner der Fallgeschichten gemangelt hat, nicht thematisiert? Schade um die verpassten Chancen! Zu deutlich schimmern zwischen den Zeilen die therapeutische Absicht der Autorin und ein grenzenloser Machbarkeitsglaube durch. Schnell und scheinbar mühelos führt sie den guten Ausgang, die glückliche Lösung herbei – was bewirkt, dass die Geschichten bemüht und künstlich erscheinen. Vor allem, wenn sich die Krise schon zugespitzt hat (und das geschieht oft schneller als man hinterherkommt), wird man Jugendliche damit kaum mehr erreichen.

Als Impulse, um mit Kindern (3. – 5. Klasse) ins Gespräch zu kommen, können die Geschichten durchaus nützlich sein. Auch hilfesuchende Bezugspersonen sollen wissen, dass sie nicht allein sind und Möglichkeiten an die Hand bekommen, die sie noch ausschöpfen können. Für sie ist das Buch möglicherweise ein wertvoller Ratgeber. Gut gefällt mir die Hilfe zur Selbsthilfe: Ein Skills Tool am Ende des Buches lädt junge Leserinnen und Leser „zum Ausprobieren“ ein: Sie werden nach beispielhaften Situationen gefragt und sollen überlegen, was ihnen helfen würde, wenn starke Gefühle überwältigend werden. Der Anhang mit Begleitmaterial für Jugendliche, Eltern, Fachkräfte und Bezugspersonen ist insgesamt sehr hilfreich. Es gibt eine Liste mit Adressen zu Hilfsangeboten, wie z.B. Telefonseelsorge, Krisenchat, Kinder- und Jugendnummer Nummer gegen Kummer usw.  Ein Link zur Verlagshomepage führt zu weiterem Online-Material.

Rezension von Christiane Kehl