Am 27.01.2026 starteten wir ins Jubiläumsjahr mit unserem bereits zur schönen Tradition gewordenen Neujahrsempfang in Berlin.

Wir boten Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Partnerverbänden, Justiz und besonders engagierten Personen wieder Austausch und Vernetzung zu aktuellen Herausforderungen und wichtigen fachpolitischen Entwicklungen.

Nach Vorstellung unserer aktuellen Positionen, kamen wir gemeinsam mit unseren Gästen darüber ins Gespräch, welche politischen Schritte notwendig sind, um Pflege- und Adoptivkinder und ihre Familien nachhaltig zu stärken.

In diesem Jahr diskutierten wir insbesondere folgende vier Themen:

Susanne Panter und Melanie Kleintz

Petition: Ein starkes Recht auf Abstammungsklärung

Wie können wir Adoptierten, anonym Geborenen und Abgegebenen sowie Spenderkindern den Zugang zu ihrer Herkunft verlässlich sichern?

Melanie Kleintz (www.intercountryadopteevoices.com) und Susanne Panter (www.herkunftsberatung.de) stellten dieses Thema im Plenum vor. Sie berichten, dass im Arbeitskreis deutlich wurde, dass das Recht auf Kenntnis der eigenen Herkunft konsequent aus Kindersicht gedacht werden muss. Diskutiert wurden strukturelle Defizite in Adoptions- und Reproduktionskontexten, insbesondere fehlende oder nicht zugängliche Herkunftsdaten, der Umgang mit Geschwisterbeziehungen sowie die unzureichende Weitergabe relevanter Informationen zwischen beteiligten Stellen. Ein zentraler Impuls war die Forderung nach verlässlichen rechtlichen und administrativen Strukturen (z. B. Herkunftsregister), um Kinder nicht in die Rolle bringen zu müssen, ihre Herkunft selbst „erkämpfen“ zu müssen.

Dr. Carmen Thiele, Fachreferentin Vollzeitpflege im PFAD Bundesverband

Angemessene Alterssicherung von Pflegepersonen

Welche Schritte sind notwendig, um die unverzichtbare Arbeit von Pflegeeltern im Rentensystem wirklich anzuerkennen?

Paten für dieses Thema waren Dr. Carmen Thiele und Bernd Junker. Sie skizzierten Probleme der derzeitigen Bezuschussung von Alterssicherung für Pflegeeltern. Das zugrundeliegende Kriterium, auch langjährig aktive Pflegeeltern, die zugunsten der Kinderbetreuung auf Erwerbsarbeit verzichten, im Alter unabhängig von Sozialleistungsbezug zu machen, wird durch das aktuelle Modell nicht erfüllt. Dies belegten sie mit konkreten Modellrechnungen. Der Arbeitskreis erarbeitete einige Empfehlungen:

  • Der Beitrag zur Altersversorgung sollte pro Kind auf das Doppelte des Mindestbeitrags in der Rentenversicherung festgelegt werden.

  • Dieser Beitrag sollte (möglichst, wie in der Pflegeversicherung) allein vom Jugendamt getragen werden. (Das Pflegegeld ist nicht für einen anteiligen Beitrag des Pflegeelternteils konzipiert.)

  • Diese Beitragszahlungen sollten (wie bei der Pflegeversicherung bzw. als Zusatzbeitrag) auch neben einer anderen bestehenden Pflichtversicherung möglich sein.

  • Bestehende private Verträge zur Altersversorgung müssen fortgeführt werden können.

Da auch diese Vorschläge alleine noch keine ausreichende und angemessene Altersversorgung garantieren, müssten zum Rentenanspruch nach § 39 SGB VIII ggf. noch Rententeile dazukommen, um doch eine ausreichende Altersversorgung zu erreichen:

  • aus einer eigenen versicherungspflichtigen Berufstätigkeit

  • aus der Pflegeversicherung für die Pflegekinder oder andere Personen

  • aus einem Ehegattensplitting

  • für die Kindererziehungszeiten

Simon Hilmes, Fachreferent Vollzeitpflege im PFAD Bundesverband

Elterngeld für Pflegeeltern

Nach Beschluss im Bundesrat wird die Gesetzesänderung zur Elterngeldgeldreform in diesem Jahr im Plenum des Bundestags erwartet. Einzug in die Reform soll u.a. finden, dass Pflegeeltern dann auch Elterngeld beantragen können. Was muss für diese politischen Entwicklungen berücksichtigt werden?

Simon Hilmes und Karen Dabels waren hierfür zuständig. Simon Hilmes referierte das Thema Elterngeld an und berichtet, dass in der Arbeitsgruppe angeregt über den aktuellen Stand und die familienpolitischen Ziele der Regierung diskutiert wurde. Bereits zum zweiten Mal sei das Vorhaben im Koalitionsvertrag aufgenommen worden. In einigen Verbänden herrschte zeitweise als Gegenargument zur Aufnahme von PE in den Kreis der Leistungsberechtigten, dass die Gefahr gesehen werde, dass PE bessergestellt werden als traditionelle Eltern, bei denen das Kind zuhause aufwächst, aufgrund von Besserstellung durch Pflegeelternanspruch auf Pflegegeld, Elterngeld, ggfls. kommunale Sonderleistungen und Zuschläge. Die Diskussion entwickelt sich weiter: Elterngeld darf nicht nicht nur als „finanzielle Entlastungsleistungsleistung“ für Pflegeeltern angesehen werden, sondern als Beitrag des hohen gesellschaftlichen und zeitintensiven Engagement bei Aufnahme eines Pflegekindes. Zwar ist auch diese Reform eine reine „Finanz-Reform“, dennoch durch ihren geringen finanziellen Mehraufwand eine “kostengünstige” Umsetzung zur Einhaltung des Koalitionsversprechen im Gegensatz zu anderen, sehr teuren Reformen und Vorhaben.

Luise Essen, Fachreferentin Adoption im PFAD Bundesverband

Aufnahme nicht-deutscher Pflegekinder

Welche Herausforderungen bestehen bei der Aufnahme von nicht-deutschen Pflegekindern, deren Identität nicht gesichert ist, und welche Unterstützung benötigen Pflegefamilien in dieser speziellen Situation?

Luise Essen und Ulrike Schulz betreuten diesen Arbeitskreis. Luise Essen gab den Input und fasst zusammen, dass in der Arbeitsgruppe „Pflegekinder ohne Papiere“ zentrale Problemfelder diskutiert wurden, mit denen sich betroffene Pflegeeltern und ihre Kinder konfrontiert sehen. Besonders im Fokus standen die Auswirkungen auf die Kinder und Jugendlichen selbst: Erfahrungen von Ausgrenzung und Isolation, eingeschränkte Teilhabe sowie fehlende Zugänge zu Ausbildung, Führerschein, Wohnraum oder Auslandsreisen. Deutlich wurde auch, dass Fachkräfte in diesem Themenfeld häufig nicht ausreichend unterstützen. PFAD hat gemeinsam mit einer Interessengruppe betroffener Eltern sowie Vertreter*innen verschiedener Verbände einen Arbeitskreis ins Leben gerufen. In der Arbeitsgruppe beim Neujahrsempfang wurde dieses Vorhaben vorgestellt und weitere Stellschrauben identifiziert, die zu Verbesserungen beitragen können – etwa die finanzielle Absicherung notwendiger Verfahren zur Klärung der Rechtsstellung betroffener junger Menschen durch die zuständigen Jugendämter. Die Teilnehmenden brachten zudem konkrete Ideen für die Erarbeitung eines Positionspapiers zum Thema „Pflegekinder ohne Papiere“ ein, das sich an die Politik richten soll. Ebenso wurden Vorschläge gesammelt, welche weiteren Verbände einbezogen werden könnten, bis hin zu ersten politischen Kontaktmöglichkeiten. Interessierte Verbände sind herzlich eingeladen, den Arbeitskreis mit ihrer Expertise zu bereichern.