Tipps für eine gute Zusammenarbeit zwischen Selbsthilfegruppen von Pflege- und Adoptiveltern und dem Jugendamt
Eine konstruktive und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Selbsthilfegruppen von Pflege- und Adoptivfamilien und dem Jugendamt bietet für beide Seiten viele Chancen und Vorteile. Durch einen offenen und respektvollen Austausch entsteht ein besseres gegenseitiges Verständnis: Pflege- und Adoptiveltern können ihre Erfahrungen und Bedürfnisse einbringen, während das Jugendamt seine fachliche Perspektive und Unterstützungsmöglichkeiten erklärt und durch das niederschwellige Angebot der Selbsthilfegruppe entlastet wird. So wächst Vertrauen auf beiden Seiten, Missverständnisse werden vermieden, und der gemeinsame Blick richtet sich auf das Wohl der Kinder.
Manche Jugendämter initiieren und leiten selbst Pflege- und Adoptivelterngruppen, um den wichtigen Austausch untereinander zu fördern und evtl. auch Fortbildungs- und Freizeitangebote zu machen. In solchen jugendamtsgeführten Gruppen kann der Wunsch erwachsen, sich selbst zu organisieren. Oder – wo es kein solches Angebot gibt – gründet sich eine Gruppe auf Initiative einzelner, die sich gerne mit anderen vernetzen wollen.
In beiden Fällen hat es sich bewährt, dass Selbsthilfegruppen das Jugendamt bzw. den freien Träger über ihre Pläne frühzeitig informieren und um Mithilfe bitten, z. B. bei der Einladung aller Pflegeeltern der Stadt/des Landkreises zu den Veranstaltungen und Angeboten der Gruppe.
Wenn die Gruppen den Kontakt suchen und aktiv den Dialog gestalten, können eventuelle Vorbehalte und Ängste auf Seiten der Fachkräfte meist ausgeräumt werden. Deshalb ist es auch sehr wichtig, eine Gruppe nicht als Reaktion auf akute Probleme, sondern möglichst „in guten Zeiten“ zu gründen und mit Repräsentant*innen, die nicht gerade mit der Jugendhilfe in einem Konflikt stehen.
Durch den Aufbau eines regelmäßigen, konstruktiven Dialogs lassen sich Herausforderungen so oft frühzeitig erkennen und gemeinsam lösen. Das Jugendamt kann passgenauere Unterstützungsangebote entwickeln. Hat sich eine Gruppe bzw. ein Verein etabliert, kann er als Selbstvertretung nach § 4a (siehe oben) auch auf kommunalpolitischer Ebene Einfluss nahmen. Man erlangt die Möglichkeit, als Verein selbst Träger der freien Jugendhilfe zu werden und dass Vertreter*innen in kommunale Arbeitskreise und den Jugendhilfeausschuss berufen werden.
Die konstruktive Zusammenarbeit stärkt die Stimme von Pflege- und Adoptivfamilien in der Öffentlichkeit und gegenüber politischen Entscheidungsträgern.
Partnerschaftliche Kooperation fördert zudem die Qualität der Angebote und Strukturen: Erfahrungen aus der Praxis fließen in die Arbeit des Jugendamtes ein, was wiederum die Rahmenbedingungen für Familien verbessert. Insgesamt entsteht ein Klima der Wertschätzung und gegenseitigen Unterstützung – eine solide Basis, um Kinder und Familien bestmöglich zu begleiten.
Folgende Tipps helfen bei der Ausgestaltung der Zusammenarbeit:
- Frühzeitig auf das Jugendamt zugehen
Den Kontakt nicht erst bei Problemen suchen, sondern von Beginn an ein partnerschaftliches Verhältnis aufbauen. - Ängste abbauen – auf Augenhöhe begegnen
Durch persönliche Begegnungen und Dialog Vorurteile und Unsicherheiten auf beiden Seiten abbauen. - Offen und transparent kommunizieren
Offenheit schafft Vertrauen – Informationen ehrlich teilen, auch bei schwierigen Themen. - Konstruktiv und lösungsorientiert bleiben
Statt Kritik nur zu äußern, auch Vorschläge einbringen – gemeinsam an Verbesserungen arbeiten. - Grenzen akzeptieren
Durch vertieftes Wissen über die Strukturen der Jugendhilfe erhält man wichtige Kenntnisse über rechtliche Grundlagen, Zuständigkeiten, Hierarchien und Behördenlogik. Das vermeidet unrealistische Erwartungen an das System und schafft Verständnis für die Möglichkeiten der Fachkräfte. - Um Unterstützung bitten
Das Jugendamt aktiv einbeziehen und um Mithilfe oder fachliche Begleitung bitten – das zeigt Wertschätzung und Kooperationsbereitschaft. Die Fachkräfte können bei der Suche nach einem geeigneten Ort für die Gruppentreffen oder geeigneten Referent*innen unterstützen und Veranstaltungen mitgestalten. Gerade bei der Werbung neuer Pflegefamilien ist eine Kooperation zwischen Jugendamt und Gruppe sehr positiv und überzeugend. - Probleme sachlich durch Nicht-Betroffene ansprechen
Konfliktthemen besser durch Vertreter*innen ohne direkten persönlichen Bezug vorbringen, um Emotionen zu reduzieren. - Klare Rollentrennung wahren
Zwischen der Rolle als Pflege-/Adoptiveltern und der Funktion als Gruppenvertretung klar unterscheiden, um Missverständnisse zu vermeiden.

Petra Kalwa
Autorin: Petra Kalwa
Petra Kalwa ist Pflegemutter einer dreijährigen Tochter. Im September 2024 gründete sie die Ortsgruppe Leverkusener Herzenskinder, um den Austausch und die Gemeinschaft der Familien untereinander zu stärken.