Tipps zur Ausgestaltung von Treffen von Adoptiv- und Pflegefamilien

Selbsthilfegruppen rund um das Leben mit Adoptiv- und Pflegekindern brauchen besondere Sensibilität, klare Grenzen, verlässliche Strukturen und eine traumasensible Haltung. Das Ziel ist, Erfahrungsaustausch, Verständnis, Vernetzung und Entlastung zu schaffen – nicht Aufarbeitung oder Therapie. Bei persönlichen Treffen sollten daher einige Aspekte beachtet werden.

  • Wertschätzender, urteilsfreier Raum: Jedes Kind und jede Familie haben eine eigene Geschichte – diese darf nicht bewertet werden.
  • Kinderschutz und Vertraulichkeit: Verschwiegenheitsverpflichtung in der Selbsthilfe beachten! Persönliche Details, vor allem über Herkunft, Traumata oder die Herkunftsfamilie dürfen niemals aus der Gruppe nach außen getragen werden.
  • Traumasensibilität: Viele Adoptiv- und Pflegekinder haben traumatische Erfahrungen gemacht (Verlust, Vernachlässigung, Gewalt). Gespräche müssen achtsam, behutsam und stabilisierend geführt werden.

Im Vorfeld klären und der Gruppe bekanntgeben, ob die Gruppe bzw. einzelne Angebote gedacht sind für:

  • Adoptiv- und/ oder Pflegeeltern (Erfahrungsaustausch, informelles Treffen, Vortrag, Workshop)
  • Jugendliche oder Kinder (Altersgruppe, inklusives Angebot)
  • gemischte Gruppen (z. B. Familiennachmittage, gemeinsame Ausflüge)

Davon hängt ab, wie offen Themen besprochen werden können und welches Setting sinnvoll ist (z. B. getrennte Gesprächsgruppen für Eltern und Kinder). Persönliche oder belastende Themen sollten nicht in Anwesenheit der Kinder besprochen werden. Hier empfehlen wir parallel eine Kinderbetreuung anzubieten.

  • Über die Herkunftsgeschichte sollte nur in sicherem Rahmen und sehr dosiert gesprochen werden, sofern es für den Erfahrungsaustausch zu speziellen Herausforderungen im Leben der Adoptiv- oder Pflegefamilie relevant ist. Datenschutz dient hier auch dem Schutz des Kindes und muss beachtet werden.
  • Gruppen dürfen keinen Druck auf Kinder oder Eltern ausüben, Details über die Herkunftsfamilie preiszugeben.
  • Kinder haben ein Recht auf ihre Geschichte, aber kein Zwang, darüber zu sprechen.

  • Respektvolle und sensible Wortwahl: Begriffe wie „abgegeben“, „weggenommen“ oder „echte Eltern“ sind verletzend.
  • Wenn über Herkunft gesprochen wird, sollte das mit respektvoller Sprache geschehen („leibliche Eltern“ statt „richtige Eltern“, „Erzeuger“ o.ä.).
  • Verwende inklusive, wertschätzende Formulierungen, z. B.:
    • „leibliche Eltern / Herkunftsfamilie“
    • „Adoptiv- oder Pflegefamilie“
    • „Familie, in der du jetzt lebst“

  • Gespräche über Herkunft, Loyalität oder Verlust können starke Gefühle auslösen (Trauer, Wut, Schuld).
  • Wichtig: Nicht drängen, nicht therapieren. Selbsthilfe heißt: Teilen und gegenseitiges Verständnis. Das allein kann schon sehr hilfreich sein.
  • Bei Überforderung → Verweis auf professionelle Hilfe (Traumatherapie, Familienberatung).
  • Gruppen können entlasten, dürfen aber nicht zu reinen Beschwerde- oder Problemrunden werden, ohne den Fokus auch auf Ressourcen und Lösungen. Achtet darauf, dass jedes Treffen nicht nur Probleme, sondern auch Positives enthält. Im Sinne der Selbstvertretung spielen Probleme und Herausforderungen jedoch insofern eine zentrale Rolle, als dass v.a. solche, die mehrere Pflegepersonen haben, gebündelt und fallunabhängig beim Jugendamt angesprochen werden sollten.

  • Bei Treffen mit Kindern: Bei Angeboten für Kinder ist zu beachten, dass die Aufsichtspflicht immer bei den Adoptiv- und Pflegeeltern liegt.
  • Datenschutz und Fotos: Keine Weitergabe von Namen oder Bildern. Kinder dürfen auf Fotos nicht zu erkennen sein.
  • Versicherungsschutz klären: Es sollte unbedingt eine Gruppenversicherung für Veranstaltungen abgeschlossen werden, siehe dazu https://www.union-paritaet.de/de.

 

Petra Kalwa

Autorin: Petra Kalwa
Petra Kalwa ist Pflegemutter einer dreijährigen Tochter. Im September 2024 gründete sie die Ortsgruppe Leverkusener Herzenskinder, um den Austausch und die Gemeinschaft der Familien untereinander zu stärken.