Pressemitteilung "Anfälligkeit eines Hilfesystems – zum Methadontod einer Elfjährigen"
Am 16.Januar kam das Mädchen Chantal durch den Drogenersatzstoff Methadon ums Leben. Bei der anschließenden Aufklärung der Lebenssituation des elfjährigen Kindes kam Erschreckendes zutage. Die Pflegefamilie, in der sie seit zwei Jahren lebte, war selbst suchtbelastet und mit vielfachen eigenen Problemen konfrontiert. Die Überprüfung der Arbeitsweise des zuständigen Jugendamtes und des mit der Begleitung der Familie beauftragten freien Trägers ergab eklatante Mängel. Erste personelle Konsequenzen wurden gezogen, die Amtsleitung ist ihrer Aufgabe enthoben und eine lückenlose Aufklärung versprochen. 


Fast 54.000 Kinder und Jugendliche lebten zum 31.12.2010 in Deutschland in Pflegefamilien. Sie erleben hier die Geborgenheit einer Familie, individuelle Förderung und engagierte Pflegeeltern, die sich mit Nachdruck für sie einsetzen. Erziehungswissenschaftler und Entwicklungspsychologen bestätigen, dass für viele Kinder das Aufwachsen in einer Pflegefamilie am besten ist.

Allerdings sind die Rahmenbedingungen für die Pflegekinderhilfe in Deutschland so unterschiedlich, das es Pflegeeltern nicht leicht gemacht wird, den hohen Anforderungen an sie gerecht zu werden. Der Handlungsbedarf in der Pflegekinderhilfe ist in den letzten Jahren durch den Abschluss der Studie des Deutschen Jugendinstitutes, durch die Forschungsarbeiten der Uni Siegen und durch das neue Manifest zur Pflegekinderhilfe deutlich belegt worden. Einige Verbesserungen enthält das ab 01.01.2012 geltende neue Kinderschutzgesetz.

Durch den tragischen Tod von Chantal ist die Pflegekinderhilfe in den Blickwinkel der Öffentlichkeit geraten und ihre Wirksamkeit teilweise infrage gestellt. Der Ruf nach mehr Kontrolle ist verständlich, aber doch eher Ausdruck eines ersten Aktionismus der Politik. Drogentests für alle Pflegeeltern können nicht die Antwort auf die Ereignisse in Hamburg sein.

Vielmehr sind eine fachlich kompetente und zeitlich dem Fall angepasste Vorbereitung, Betreuung und Fortbildung für Pflegeeltern immens wichtig. Eine Fachkraft darf nicht mehr als 30 Pflegefamilien betreuen.

Pflegefamilien werden dringend gebraucht. Sie sind eine wertvolle Ressource für die Gesellschaft. Die finanzielle und personelle Ausstattung der Jugendhilfe ist entscheidend für die Qualität der Arbeit.

Es ist Aufgabe der Politik die Rahmenbedingungen zu gewährleisten.

Dagmar Trautner, Vorsitzende

PFAD Pressemitteilung vom 06.02.2012
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