PFAD-Neujahrsempfang in den neuen Räumen des Bundesverbandes in Berlin

ImageAm 18.01.2012 lud der PFAD Bundesverband anläßlich seines Umzugs zu einem kleinen Neujahrsempfang.

Vorsitzende Dagmar Trautner und Fachreferentin Dr. Carmen Thiele empfingen Kooperationspartner und Gäste in den im November neu bezogenen Räumlichkeiten der PFAD Informations- und Beratungsstelle in der Oranienburger Straße 13-14 in Berlin.

 

Begrüßungsworte:

Der PFAD Bundesverband wurde 1976 gegründet und ist seitdem sechsmal umgezogen. Jeder Umzug bedeutete nicht nur neue Räume, sondern wurde immer auch als Impuls für die weitere Entwicklung des Bundesverbandes genutzt.

Heute freuen wir uns mit Ihnen, dass wir im Zentrum Berlins, in unmittelbarer Nähe zum Paritätischen Gesamtverband, unser neues Domizil aufschlagen konnten. Wir sehen dies als Auftrag, den Umzug als Entwicklungsinspiration umzugesetzen.

Die Kinder- und Jugendhilfe und damit auch die Hilfen zur Erziehung in Vollzeitpflege stehen aktuell vor großen Herausforderungen. Mit dem Bundeskinderschutzgesetz wurden die Mitwirkungsmöglichkeiten von Pflegeeltern und Pflegekindern in der Hilfeplanung verbessert. So heißt es aktuell im § 37 SGB 8: „(2a) Die Art und Weise der Zusammenarbeit sowie die damit im Einzelfall verbundenen Ziele sind im Hilfeplan zu dokumentieren. Bei Hilfen nach den §§ 33, 35a Absatz 2 Nummer 3 und § 41 zählen dazu auch der vereinbarte Umfang der Beratung der Pflegeperson sowie die Höhe der laufenden Leistungen zum Unterhalt des Kindes oder Jugendlichen. Eine Abweichung von den dort getroffenen Feststellungen ist nur bei einer Änderung des Hilfebedarfs und entsprechender Änderung des Hilfeplans zulässig.“

Damit sind die öffentlichen Träger der Jugendhilfe verpflichtet, auch die Beratungsansprüche der Pflegeeltern schriftlich zu fassen und dieses als Rechtsanspruch der Pflegeperson. Dieser Rechtsanspruch ist gleichzeitig für die Pflegeeltern aber auch eine Verpflichtung. Hier sieht der PFAD Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V aktiven Handlungsbedarf, sowohl in Richtung auf die Bereitschaft der Pflegeeltern als auch in der Zusammenarbeit mit den öffentlichen und freien Trägern der Pflegekinderhilfe.

Der PFAD Bundesverband hat sich im Kontext der Erarbeitung des Bundeskinderschutzgesetzes für eine Streichung der Sonderzuständigkeit für Pflegekinder ausgesprochen. Hintergrund dieser Aktivität war und ist das Wissen um Unterschiedlichkeit der kommunalen Ausgestaltung der Hilfen zur Erziehung nach § 33 und die strukturelle Diskontinuität, die mit dem gesetzlich verordneten Wechsel der Zuständigkeit einhergeht. Gleichzeitig hat der PFAD Bundesverband zur Kenntnis genommen, dass es auch große Ängste gibt, dass ohne die Sonderzuständigkeit Diskontinuitäten aufgrund Wohnortswechsels der Eltern die Hilfeplanung zum Wohl des Kindes gefährden. Aus diesem Grund begrüßen wir, dass im Rahmen des Bundeskinderschutzgesetzes auch eine Evaluation Aussagen dazu treffen soll, ob das Ziel der Hilfekontinuität auf diese Weise erreicht werden kann.

Ein weiteres Thema, das aktuell auf der Agenda steht ist mit der Formulierung „Inklusion statt Integration“ verbunden. In der Jugendhilfe wird dieses Themenspektrum, für meine Begriffe verkürzt, über die Devise der „großen Lösung“ diskutiert. Ohne Zweifel haben behinderte Kinder ein Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft und der Staat ist verpflichtet die notwendigen Zugangschancen zu ermöglichen. Ganz in diesem Sinne gilt der § 1 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes „(1) Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“ auch für Kinder mit körperlichen oder/und geistigen Behinderungen. Mit dem Pflegeassistenzgesetz wurde die Möglichkeit eröffnet, chronisch kranken und behinderten Kindern , die nicht in ihrer Familie leben können, im Rahmen der Eingliederungshilfe eine Chance auf Familie zu geben. Diese Regelung aus dem SGB 12 § 54 Absatz 3 gilt nur noch bis zum 31. Dezember 2013.

Zum Zeitpunkt der Gründung des Bundesverbandes war die inhaltliche Nähe von Familienpflege und Adoption sicher größer als heute. Aus der Familienpflege hat sich ein differenziertes Angebot der Hilfe zur Erziehung und der Behindertenhilfe entwickelt. Doch auch in dem Bereich der Adoption ist die Zeit nicht stehengeblieben. Im Vergleich der Zahlenverhältnisse wird die Veränderung greifbar: 1992 zählte man 19 Bewerberpaare je Kind, 2009 sind es nur mehr 9 Bewerberpaare pro Kind. Vielfältige gesellschaftliche Entwicklungen, von Familienvorstellungen bis zu den Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin, stehen hinter diesen Zahlen. Unverändert geblieben ist das Engagement des PFAD Bundesverbandes, adoptierten Kindern zu helfen, indem wir uns dafür einsetzen, die Adoptionsbewerber gut vorzubereiten und selbst für Adoptivfamilien dauerhaft ein begleitendes soziales Netzwerk bereitstellen. Wissenschaftliche Erkenntnisse, wie zum Beispiel die Bedeutung der biologischen Wurzeln prägen das Engagement des PFAD Bundesverbandes. Genannt seien hier nur beispielhaft die Themen: offene Adoption oder vertrauliche Geburt – kontra Babyklappe. Auch die Thematisierung ethnischer Unterschiedlichkeit, speziell bei Auslandsadoption, ist uns ein Thema zum Wohle der Kinder.

In allen Bereichen stehen vor dem PFAD Bundesverband große Herausforderungen. Dabei ist es für uns besonders wichtig, mit anderen gesellschaftlichen Kräften zusammenzuarbeiten – mit anderen Pflegefamilien- und Adoptivfamilienverbänden, Trägern der Pflegekinderhilfe sowie der Adoptionsvermittlung und auch mit Akteuren aus anderen gesellschaftlichen Bereichen. Netzwerkarbeit und bürgerschaftliches Engagement – dafür sind mit den neuen Räumlichkeiten die besten Voraussetzungen geschaffen.

Dr. Carmen Thiele
 
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