PFAD diskutiert aktuelle Ergebnisse der Pflegekinderforschung

Die Delegierten der Landesverbände des PFAD Bundesverbandes der Pflege- und Adoptivfamilien e.V. trafen sich am 20./21. Juni 2009 in Karlsruhe. Neben dem Austausch über aktuelle Entwicklungen und Tätigkeitsschwerpunkte auf Bundesebene und in den Ländern beschäftigte sich das Gremium mit den Ergebnissen der Studie „Pflegekinderhilfe in Deutschland“, die von 2005 bis 2009 vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) und dem Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt wurde.

Fünf ausgewählte wissenschaftliche Expertisen wurden ausführlich vorgestellt und diskutiert. PFAD begrüßt ausdrücklich die notwendige Intensivierung der Forschung im Bereich Pflegekinderhilfe in Deutschland und unterstützt und verfolgt mit großem Interesse weiterführende Forschungsprojekte. Besonderen Verbesserungsbedarf sahen die Verbandsvertreter in den Bereichen:

    * Sicherung von Kontinuität in der Biographie von Pflegekindern
    * Beratung und Unterstützung von Herkunftsfamilien
    * Partizipation von Kindern und Jugendlichen
    * Rechte von Pflegeeltern
    * fachliche Begleitung von Pflegeverhältnissen
    * Wahrnehmung und Beachtung von Frühtraumatisierungen
    * Anerkennung und Qualifizierung von Verwandtenpflege

Während Bestrebungen zur Verkürzung der gerichtlichen Verfahrensdauer im Sinne der Kinder begrüßt wurden, wurde auch Kritik geäußert gegenüber der ausschließlichen Betrachtung von Umgangskontakten im Kontext von Rückführung.

Neben den auf den Internetseiten des DJI im Volltext veröffentlichten wissenschaftlichen Gutachten beschäftigten sich die TeilnehmerInnen des PFAD-Ländergremiums auch intensiv mit dem Konzept „Permanency Planning“ („Kontinuitätssichernde Hilfeplanung“), das vorwiegend im anglo-amerikanischen Raum Fremdplatzierungen zu Grunde liegt. Die Charakteristika dieser Vorgehensweise - fachliche Qualifizierung von Rückführung in einer gesetzlich festgelegten Zeitspanne und rechtliche Absicherung von Dauerpflegeverhältnissen - stießen auf reges Interesse, da hierin originäre Forderungen des PFAD-Verbandes verwirklicht sind.

In den aktuellen Appellen der Fachwelt für mehr Kontinuität für Pflegekinder - wie z.B. in der „Siegener Erklärung“ von 2008 formuliert - und für verbindliche Standards in der - momentan in jeder Kommune unterschiedlich ausgestalteten und verstandenen – Pflegekinderhilfe, sieht der PFAD-Bundesverband den richtigen Weg, um die gegenwärtig noch unbefriedigend geregelte Situation von Pflegekindern und ihren Familien in Deutschland zu verbessern.

Bis zum Herbst ist geplant, die Ergebnisse der Studie „Pflegekinderhilfe“ und das demnächst erscheinende „Handbuch Pflegekinderhilfe“ des DJI in den einzelnen PFAD-Landesverbänden zu diskutieren. Darin legen die Wissenschaftler Schlussfolgerungen ihrer Forschung für das Handeln aller im Hilfesystem Beteiligten vor.

Beim zweiten Ländergremium des Verbandes am 21./22. November 2009 in Berlin werden sich die Delegierten mit konkreten Umsetzungsmöglichkeiten ausgewählter Aspekte aus der Studie in die Praxis beschäftigen. Für den Frühsommer 2010 plant PFAD in Kooperation mit dem BMFSFJ in Berlin einen Fachtag zur Erörterung der rechtlichen Möglichkeiten einer Kontinuitätssicherung für Pflegekinder.

Einen ausführlicheren Bericht über das PFAD-Ländergremium in Karlsruhe finden Sie in unserer Fachzeitschrift PFAD , die am 15. August erscheinen wird. (us/mh)

Pressemitteilung des PFAD-Bundesverbandes vom 26.06.09
 
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